Neckarwestheim, 28.11.2025 – „Die Stromnetze sind das Nadelöhr der Energiewende und damit unseres wirtschaftlichen Wohlstands hier in der Region – daher hat der Stromnetzausbau für den NEV oberste Priorität.“ mit diesem eindringlichen Appell hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer aus Esslingen am Neckar heute die Mitgliederversammlung des Neckar-Energieverbands (NEV) eröffnet. Ein Großteil der insgesamt 176 Städte, Gemeinden und Landkreise des kommunalen Zweckverbands hatten den Weg in die Reblandhalle nach Neckarwestheim gefunden, um die Geschäftszahlen aus dem vergangenen Jahr, die Entwicklungen im laufenden Jahr und die Prognosen für die Zukunft des Verbands zu beraten.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Hausherren, Bürgermeister Jochen Winkler, konnte Klopfer verkünden, dass dank der wirtschaftlichen Entwicklung des Verbands in diesem Jahr eine nochmals höhere Ausschüttung als in den vergangenen Jahren an die Verbandskommunen ausgezahlt werden könne. Allerdings seien auch die Herausforderungen der Energiewende mittlerweile beim NEV angekommen. Insbesondere der steigende Kapitalbedarf in den Stromnetzgesellschaften, ungünstige Rahmenbedingungen für die Eigenkapitalverzinsung seitens der Bundesnetzagentur sowie rückläufige Wirtschaftlichkeit aufgrund von negativen Strompreisen bei Solarparkbeteiligungen bereiten den Verantwortlichen zunehmend Kopfzerbrechen.
Geschäftsführer Dürr bringt es auf den Punkt: „Auch wir als finanzstarker Verband können jeden Euro leider nur einmal ausgeben. Die massiven Investitionen in die Netze verringern daher auch unseren finanziellen Spielraum beim Ausbau der Erneuerbaren Energien im Verbandsgebiet.“
Als Aktionär bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG habe sich der Verband im zurückliegenden Jahr einmal mehr als verlässlicher Partner gezeigt und an der Eigenkapitalerhöhung des Konzerns in voller Höhe des bisherigen Anteils teilgenommen. Die dafür und für weitere Kapitalmaßnahmen in den Stromnetzgesellschaften erforderliche Kreditaufnahmen habe der NEV zwar stemmen können, allerdings gehe man ab 2029 von weiterem Kapitalbedarf aus. Der Verband verfüge nach wie vor über eine hohe Eigenkapitalquote, wie er auch mit Verweis auf die Zahlen des Geschäftsberichts 2024 unterstrich, allerdings würden sich die finanziellen Spielräume zunehmend verengen.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde mit Ralf Trettner auch der Nachfolger von Geschäftsführer Mario Dürr gewählt, der Mitte des kommenden Jahres in den Ruhestand geht. Wie auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer als neuer Verbandsvorsitzender und Bürgermeister Bernd Bordon aus Ilsfeld als neuer erster Stellvertreter erhielt Trettner von der Verbandsversammlung ein einstimmig positives Votum.
Im anschließenden Gastvortrag hob Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Energieversorgers E.ON SE, hervor, dass wir uns zur Halbzeit der Energiewende an neue Herausforderungen anpassen müssten. Der ungebrochene Ausbau der Erneuerbaren und der beginnende massive Zubau an Speichern könne so erfolgen, dass er mehr Nutzen für die Kunden schaffe und nicht vor allem mehr Kosten. Dazu müssten die Lehren aus Halbzeit eins gezogen werden – statt auf Subventionen müsse auf Marktlogik gesetzt werden, auf Integration in die bestehende Netzinfrastruktur und deren bedarfsgerechten Ausbau. „Wenn das gelingt, werden wir das Spiel am Ende gewinnen – dann verbinden wir Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit.“ – so Birnbaum abschließend.
Die über 150 anwesenden Kommunalvertreter dankten ihm für seine klaren Worte mit lang anhaltendem Applaus.
